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Gottorfer Blumen-Codex kehrt auf die Schlossinsel zurück

7. Februar 2010 [ Kein Kommentar ]

Der Gottorfer Codex ist wenn auch nur leihweise auf die Schleswiger Schlossinsel zurückgekehrt: Im Rahmen eines mehrjährigen Kooperations-Projektes zur Restaurierung des sagenhaften Pflanzenbuches werden seit Mai 2009 restaurierte Seiten des „Gottorfer Codex“ auf Schloß Gottorf öffentlich ausgestellt. Seit einigen Monaten ist auch auf Initiative des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Schloß Gottorf eine international besetzte Expertengruppe am Staatlichen Museum für Kunst in Kopenhagen unter der Leitung des dänischen Papierkonservators Niels Borring mit der Restaurierung der vier Codex-Bände befasst. Dank diplomatischer Hilfestellung durch den dänischen Generalkonsul in Flensburg, Dr. Henrik Becker-Christensen und der finanziellen Unterstützung durch die Hermann Reemtsma Stiftung und den Freundeskreis Schloß Gottorf e.V. konnte eine Beteiligung des Landesmuseums an dem Restaurierungs- und Ausstellungsprojekt auf Schloß Gottorf gelingen.

Jeweils ein Band und weitere Einzelblätter werden in einem eigens angefertigten, speziell klimatisierten und ausgeleuchteten Kubus im Raum der ehemaligen Bibliothek präsentiert.

Das Projekt – Einleitung

Im 17. Jahrhundert war es Mode, seinen Garten/Park von besonderen Blumenmalern abbilden zu lassen, die jede einzelne Pflanze „portraitierten”. Von 1649 bis 1659 bestellte der Gottorfer Herzog Friedrich III. (1597-1659) von Schleswig-Holstein-Gottorf den renommierten Hamburger Blumenmaler Hans Simon Holtzbecher (1610/20-71) zur Portraitierung des umfassenden Gartens von Schloss Gottorf. Das Ergebnis ist das einmalige Werk des Gottorfer Codex, der aus vier Bänden mit 1190 Blumendarstellungen auf 363 Seiten besteht.

Diese zauberhaften Gemälde ermöglichen der Nachwelt einen Einblick in die botanische Vielfalt eines fürstlichen Gartens im Barock. Der Gottorfer Codex zeigt sowohl Nutz- und Zierpflanzen als auch in einer wunderbaren Mischung u.a. Spargel, Brennnessel, Salbei, Tulpen, Iris und Feigen. Die Abbildungen sind nicht signiert, aber sie stammen nachweislich von Hans Simon Holtzbecher. Das Gesamtwerk wird als eines der Kleinodien des Statens Museum for Kunst in Kopenhagen betrachtet und wird als ein sogenanntes ENB-Werk eingestuft, das heißt als ein Werk von „Einmaliger Nationaler Bedeutung“.

Der Gottorfer Codex kam 1749 nach Dänemark. Das geschah nach dem großen nordischen Krieg (1700-1721), den die Gottorfer an der Seite der Schweden gegen Russland/Dänemark verloren – zweifelsohne Höhepunkt des angespannten Verhältnisses zwischen dem Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf und Dänemark war die Besetzung der Gottorfer Gebiete durch das dänische Königreich. Im weiteren Verlauf wurden die vier Codex-Bände als ein kleiner Teil der berühmten Gottorfer Bibliothek wie sämtliche Zeugnisse der Kunstkammer nach Dänemark verbracht.

Kurze Beschreibung des Werkes

Der Gottorfer Codex besteht aus vier Bänden mit Blumengemälden in Gouache auf Pergament, Format 50,5 x 38,5 cm. Die Bände sind in braunem Leder gebunden. Die Bände haben einen vergoldeten Rücken und Vergoldungen auf den Buchdeckeln. Zwischen jeder Pergamentseite sind Schonblätter aus Papier eingefügt. Der Rücken ist mit Knochenleim verklebt.

Die Einbände sind sehr verschlissen, haben aber die bemalten Pergamentseiten vor Ausbleichen aufgrund von Lichteinwirkung geschützt. Und trotzdem verursachte der Einband zu Schäden an den Gouachen. Die Blätter sind im Falz paarweise mit einem Pergamentstreifen zusammengefügt. Die Verklebung entlang der Kante bewirkt, dass das Pergament nicht arbeiten kann und sich deshalb verbeult und verzerrt. Hinzu kommt, dass die Pergamentseiten empfindlich auf Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit reagieren. Eine schlechte Haftung zwischen Pergament und Farbschicht führt dazu, dass die Betrachtung der delikaten Darstellungen nicht ohne Risiko für den Codex ist. Deshalb ist der Gottorfer Codex während der vergangenen Jahrzehnte nicht zu präsentieren gewesen.

Zweck des Konservierungsprojekts

Mit Beginn des Projektes Ende 2008 durchlaufen die Bände eine umfassende Konservierung und Restaurierung, um sie künftig wieder für Ausstellungs- und Forschungszwecke nutzen zu können. Untersuchungen müssen zeigen, ob es möglich sein wird, die Seiten mit einer anderen Art Bindung als der gegenwärtigen zusammenzufügen. Derzeit wird überlegt, die Seiten eines Bandes in Passepartouts aufzubewahren und die drei anderen in den Bucheinbänden zu erhalten.

Da der Gottorfer Codex einen hohen künstlerischen Wert besitzt, und selbst nach einer gut durchgeführten Konservierung in Bezug auf die Handhabung empfindlich bleiben wird, kommt der vollständigen Digitalisierung der einzelnen Seiten eine enorme Bedeutung zu. Auf diesem Wege schont man das Original und kann trotzdem eine moderne Internet-basierte Veröffentlichung gewährleisten.

Die Konservierung des Gottorfer Codex erfolgt im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen unter den Augen der Museumsbesucher.

Für dieses Projekt wurde eine international besetzte sogenannte Advisery Group gegründet, die Fachleute aus den Bereichen Kunstgeschichte, Buchgeschichte, Buchkonservierung, Pergament und Gemäldekonservierung vereint. Von Schleswiger Seite sind der Kurator von Barockgarten und Gottorfer Globus, Dr. Ulrich Schneider, und die Restauratorin des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums, Anne-Christine Henningsen vertreten.

Der Gottorfer Codex ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, am Wochenende von 10 bis 17 Uhr in den Räumen der alten Bibliothek zu sehen. Montags ist das Schloss im Winterhalbjahr geschlossen.

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Autor/in: Horst Schinzel Abo: RSS-Feed | Mehr...


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