Wieder Versuchssprengungen vor Heidkate
Ab Dienstag (9. Februar) werden wieder gefährliche Seeminen in der Ostsee vor Heidkate unter Wasser gesprengt. Wie schon 2009 wird dabei eine Blasenschleieranlage zum Schutz der hier Schweinswale eingesetzt. Diese Sprengungen unter der Leitung des Amtes für Katastrophenschutz – Kampfmittelräumdienst – werden wissenschaftlich begleitet durch die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71), das Büro für Umweltgeologie & Sicherheitsforschung und das Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel. Mit an Bord der eingesetzten Schiffe des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein werden speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Walschutzorganisationen sein, um die Einsatzleitung zu beraten, wenn Wale oder andere Meeressäuger im Gefahrenbereich gesichtet werden.
Da es für Menschen und Tiere gefährlich wäre, sich zum Zeitpunkt der Sprengung unter Wasser aufzuhalten, werden die Behörden den Zugang zum Strand im Abschnitt zwischen der Wentorfer Schleuse und Kalifornien (Kreis Plön) jeweils rechtzeitig vor den Sprengungen sperren.
Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es, die Wirksamkeit der erneut modifizierten Blasenschleieranlage zu erforschen. Die Schockwelle der Sprengung der maritimen Großsprengkörper soll so gedämpft werden, dass sie für die in der Ostsee lebenden Meeressäugetiere keine erhebliche Gefahr mehr darstellt. Die sehr guten Ergebnisse einer Versuchsreihe mit kleinen Sprengstoffmengen im Jahr 2008 konnten bei der Sprengung von fünf Ankertauminen mit jeweils rund 350 Kilogramm so genannter “Schießwolle 39″ im Februar 2009 nicht wiederholt werden.
Anhand der eigenen Auswertungen und der Veröffentlichungen zur Dämpfung von Unterwasserlärm durch Rammarbeiten in der Nordsee im April 2009 haben die Wissenschaftler der WTD 71 und die Ingenieure des in Lübeck ansässigen Unternehmens, das die Blasenschleieranlage liefert, einen neuen Versuchsaufbau entwickelt. Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und Landeministerien konnten Einvernehmen darüber erzielen, dass die begonnene Versuchsreihe zum Schutz der Meeressäuger in dem Schutzgebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung (FFH) vor der Probstei fortgesetzt werden soll. Dies vor allem deshalb, weil noch mindestens 80 weitere, sehr gefährliche Großsprengkörper in diesem Seegebiet unter Wasser gesprengt werden müssen.
Um die Wirkungen der Sprengungen auf die Umwelt umfassend beurteilen zu können, wird das Büro für Umweltgeologie & Sicherheitsforschung BfUS, Marburg, die chemische Belastung des Wassers überwachen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Geowissenschaften (Geophysik) der Universität Kiel werden die Erschütterungen der Sprengungen an Land messen. Dabei soll geprüft werden, ob die Kraft dieser Sprengungen ausreicht, um eine in den neunziger Jahren begonnene seismologische Messreihe in Schleswig-Holstein weiter zu verdichten, ohne selbst sprengen zu müssen.
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